Kurzurlaub im Harz

Der Harz ist das nördlichste Mittelgebirge Deutschlands und eignet sich für einen Kurzurlaub von drei bis vier Tagen – gleichermaßen für Naturfreunde und Kulturinteressierte. Die Region vereint auf kleinem Raum drei UNESCO-Welterbestätten, den Nationalpark mit dem Brocken als höchstem Berg und mehrere Städte mit gut erhaltenen historischen Zentren.

Wer den Kurzurlaub plant, sollte vorab entscheiden, ob der Schwerpunkt auf Wandern, auf Besichtigungen oder auf beidem liegt. Die Wege zwischen den Orten sind kurz, die Auswahl an Zielen groß.

Brocken und Nationalpark

Der Brocken ist das Herzstück eines jeden Natururlaubs im Harz. Der Gipfel liegt oberhalb der Baumgrenze und bietet an klaren Tagen einen weiten Blick über das Umland. Wer nicht zu Fuß aufsteigen möchte, nutzt die Harzer Schmalspurbahnen, deren Dampflokomotiven seit vielen Jahrzehnten von Wernigerode, Nordhausen und Drei Annen Hohne auf den Gipfel fahren. Die Dampfzugfahrt ist ein Erlebnis und spart Zeit für andere Ziele.

Wanderer finden im Harz viele markierte Wege. Der bekannteste ist der Harzer Hexenstieg. Er führt von Osterode im Westen bis nach Thale im Osten. Für einen Kurzurlaub eignet sich der Weg in einzelnen Etappen. Lohnend ist die Tageswanderung vom Torfhaus zum Brocken. Sie dauert je nach Kondition vier bis fünf Stunden. Weil Torfhaus der höchstgelegene Ort im Harz ist, starten viele Wanderer dort.

Wer es ruhiger mag, findet im Nationalpark gut ausgebaute Rundwege, die auch mit Kindern machbar sind. Der Nationalpark lässt den Wald natürlich wachsen. Alte Bäume bleiben stehen, Totholz bleibt liegen. Mit etwas Glück sehen Sie auf den Hochflächen Rothirsche oder einen Luchs. Der Luchs lebt wieder im Harz.

Welterbestätten und Fachwerkstädte

Die kulturellen Höhepunkte liegen in den Städten und an den alten Bergbaustandorten. Goslar ist mit seiner Kaiserpfalz und der gut erhaltenen Altstadt der wichtigste Anlaufpunkt. Die Kaiserpfalz stammt aus dem Mittelalter und zählt zu den bedeutendsten profanen Bauwerken des Mittelalters in Deutschland. Direkt am Stadtrand liegt das Bergwerk Rammelsberg. Heute ist es ein Museum. Führungen zeigen die Stollen und die Geschichte des Erzbergbaus, der die Region über Jahrhunderte prägte. Der Rammelsberg ist das einzige Bergwerk der Welt, in dem jahrhundertelang Erz abgebaut wurde.

Quedlinburg ist die zweite große Welterbestadt. Die Altstadt hat viele Fachwerkhäuser aus mehreren Jahrhunderten. Sie gilt als eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtanlagen in Europa. Der Schlossberg mit der Stiftskirche St. Servatius ist der älteste Teil der Stadt. Wer sich für Fachwerk interessiert, sollte auch Wernigerode besuchen. Die Stadt heißt wegen ihrer farbenfrohen Häuser „bunte Stadt am Harz“. Das Schloss Wernigerode ist eine im Stil des Historismus umgebaute Burganlage. Es gehört zu den meistbesuchten Schlössern in Sachsen-Anhalt.

Die dritte Welterbestätte ist die Oberharzer Wasserwirtschaft. Sie ist weniger bekannt, aber genauso eindrucksvoll. Das System aus vielen Teichen und Kilometern Gräben entstand über mehrere Jahrhunderte. Es trieb die Wasserräder der Bergwerke an. Einige Anlagen können Sie auf Wanderwegen erkunden, zum Beispiel im Bergwerksmuseum Grube Samson in Sankt Andreasberg. Das Museum besitzt die älteste noch erhaltene Drahtseilbahn der Welt.

Bräuche und Traditionen

Der Harz ist auch für seine Bräuche bekannt. Drei davon gehören zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit. Dazu gehört die Walpurgisnacht. Sie wird in der Nacht zum Maifeiertag auf dem Brocken und in vielen Orten gefeiert. Die Tradition geht auf die Sage zurück, dass sich die Hexen in dieser Nacht auf dem Brocken treffen. Im Frühjahr können Sie in Orten wie Thale oder Wernigerode die Feiern mit Musik, Feuer und Verkleidungen erleben.

Das Bergmannsbrauchtum ist ein weiterer Teil des Kulturerbes. In den Bergbauregionen gibt es bis heute traditionelle Paraden und Gottesdienste. Dabei tragen die Bergleute historische Uniformen. Diese Veranstaltungen finden meist zu festen Terminen statt, etwa zu Weihnachten oder an kirchlichen Feiertagen. Vor der Buchung sollten Sie prüfen, ob ein solcher Termin in Ihren Reisezeitraum fällt.

Anreise, Reisezeit und Unterkunft

Der Harz ist aus den meisten Teilen Deutschlands gut erreichbar. Die Autobahnen A7 im Westen und A38 im Osten führen an die Region heran. Von dort erreichen Sie die Orte über gut ausgebaute Bundesstraßen. Mit der Bahn reisen Sie über die Bahnhöfe in Goslar, Wernigerode oder Quedlinburg an. Diese sind an das Fernverkehrsnetz angebunden. Innerhalb der Region verbinden die Harzer Schmalspurbahnen die wichtigsten Orte. So kommen Sie auch ohne eigenes Auto gut voran.

Die beste Reisezeit hängt von Ihrem Programm ab. Für Wanderungen im Nationalpark sind der späte Frühling und der Frühherbst am besten. Dann sind die Temperaturen moderat und die Wege trocken. Im Sommer wird es auf den offenen Hochflächen schnell heiß. Im Winter liegen auf dem Brocken oft Schnee und Nebel, das macht die Wege anspruchsvoll. Für die Walpurgisnacht müssen Sie Ende April anreisen. Für die Bergmannsparaden lohnt ein Blick in die regionalen Veranstaltungskalender.

Bei der Unterkunft haben Sie die Wahl zwischen Stadt und Land. In Goslar, Quedlinburg oder Wernigerode übernachten Sie zentral und erreichen die Sehenswürdigkeiten zu Fuß. Wer die Natur in den Vordergrund stellt, findet in Orten wie Torfhaus, Schierke oder Altenau Pensionen und Ferienwohnungen direkt am Nationalpark. Für einen Kurzurlaub von drei bis vier Tagen empfiehlt es sich, einen festen Standort zu wählen. Von dort erkunden Sie die Ziele, statt jeden Abend den Ort zu wechseln.